„Von Gott will ich nicht lassen“

Tastenspiel, Komposition und Improvisation sind die kreativen Marker im Schaffen von Eckhart Kuper. Darüber hinaus legt der Kirchenmusiker großen Wert auf grundlegende Körpererfahrung in seiner Musik – wie ihn auf tänzerischer Ebene der Tango Argentino zelebriert. Das zweisätzige Orgelwerk „Von Gott will ich nicht lassen“, das „Tangomusik (‚frei nach Piazzolla‘) mit traditionellen Formen der Choralbearbeitung verschmilzt“, verbindet also Kupers musikalische Leidenschaften – Tango und Kirchenmusik – mit einer transzendenten Sinnlichkeit, die historische Temperaturen und leidenschaftliche Temperamente miteinander verschränkt. Das einleitende „Andante“ beginnt und endet vorsichtig tastend, dazwischen belebt sich die Szenerie in sprudelnden Linien, die der Komponist liedhaft (cantabile), beredt (declamando) und ausdrucksstark (expressivo) anlegt. Mit wütender Entschlossenheit geht Eckhart Kuper im „Allegro energico“ zu Werk, wo synkopisch versetzte und intensiv akzentuierte Akkorde das Leiden selbst intonieren, um am Ende in Fragmenten voller Fragen zu verklingen. Kirchenmusik und Tanz, alte und zeitgenössische Musik verbinden sich hier zu einer spirituellen Klangerfahrung, die nicht auf Konfessionen beruht, sondern auf Emotionen.

                                                                                                                                                                                        Dr. Anna Schürmer

 

Eckhart Kuper

Eckhart Kuper, Jahrgang 1961, studierte Kirchenmusik und Komposition in Hannover und Amsterdam und ließ sich anschließend in Hannover in der Soloklasse Cembalo ausbilden. 1995 war er Finalist beim „Internationalen Bach-Orgelwettbewerb“ in Haarlem in den Niederlanden. Heute lehrt er Cembalo, Hammerflügel und Generalbass an den Hochschulen Leipzig, Hannover, Herford und Detmold. Sein besonderes Interesse gilt alten Stimmsystemen, dem sprachlichen Ansatz in der Musik sowie der mentalen und körperlichen Erfahrung beim Musizieren. Zudem befasst er sich mit Lyrik, Märchen, Philosophie und Psychologie. Sein kompositorisches Œuvre beinhaltet Klavier-, Cembalo- und Orgelwerke, Kammermusik sowie Chormusik.