„Le Cœur Bleu“

Im Grunde ist die Motivik in dieser fantasieähnlichen Komposition ganz einfach: Drei bis vier Töne, die sich um einen Mittelpunkt herumbewegen, in kleinen oder kleinsten Intervallen, kreisend, wiederkehrend, wie schwappende Wellen. Das jüngste Werk „Le Cœur Bleu“ der 1964 geborenen Jazz-Organistin Barbara Dennerlein hat in seiner melodischen Einfachheit etwas Natürliches, fast Kindliches, Selbsterklärendes – und dennoch bleibt diese Klarheit harmonisch und rhythmisch getrübt, wird immer wieder aufs Neue zerspült. „Le Cœur Bleu beschreibt die Traurigkeit über all das Leid auf dieser Welt und gedenkt all jener, die durch Corona ihre Existenz oder gar ihr Leben verloren haben“, sagt die Komponistin über ihr Werk. „Gleichzeitig vermittelt das Stück auch Hoffnung und den Glauben daran, dass die Menschheit zur Besinnung kommt, die Zeichen versteht und endlich aufhört, den eigenen Lebensraum zu zerstören.“ Denn die Zeichen, das ist in dieser Musik offensichtlich, sind ganz klar, und schwer zu deuten sind sie ebenfalls nicht: Der kleine melodische Gedanke, der sich durch alles überlagernde Geschehen nicht beirren lässt, mag zwar filigran sein, doch ist er deshalb nicht weniger existent oder wahr. Wie ein Mantra wiederholt er sich in den letzten Minuten des Werks im Pedal, gefestigt, ein Grundrauschen. Die Analogie ist deutlich: „Le Cœur Bleu“, so Dennerlein, sei „ein Stück, das daran erinnern soll, die Natur und alle Lebewesen auf unserer Erde wertzuschätzen und zu lieben, zu hegen und zu pflegen und nicht aus Profitgier zu quälen und zu zerstören.“

Hannah Schmidt

Barbara Dennerlein

Die 1964 in München geborene Jazz-Organistin Barbara Dennerlein erlernte ihr musikalisches und kompositorisches Handwerk autodidaktisch. Sie machte sich als Orgelvirtuosin ebenso einen Namen wie als Komponistin, deren Werke keine Stil- oder Genregrenzen kennen. Dennerlein ist regelmäßig auf den internationalen Bühnen zu Gast, bei Festivals und in Clubs ebenso wie in Konzerthäusern und Kirchen. Sie konzertierte u.a. auf der Gewandhausorgel in Leipzig und der Klais-Orgel in der Kölner Philharmonie und veröffentlichte zahlreiche CD-Einspielungen. Für ihr Schaffen wurde sie mit internationalen Preisen geehrt, darunter dem Preis der deutschen Schallplattenkritik und diversen Jazz Awards.