„Fantasie über den Choral ,Nun danket alle Gott‘“

„Komponieren während einer Pandemie ist immer auch ein Komponieren für die Zeit danach“, schreibt Johannes Matthias Michel im Werkkommentar zu seiner „Fantasie über den Choral ‚Nun danket alle Gott‘“. Dieser Satz ruft nicht nur das Live-Erleben im Konzertsaal oder der Kirche an; mehr noch beschreibt der Komponist damit das Sehnen nach dem Ende als „ein zutiefst religiöses Verlangen, auch wenn es unsere säkulare Welt nicht mehr wahrhaben will.“ Die Partitur trägt mit ihren kunstvollen polyphonen Schichtungen unverkennbar die Handschrift eines begnadeten Organisten, der die Register und Stimmungen seines Instruments in- und auswendig beherrscht. Auf inhaltlicher Ebene reflektiert Johannes Matthias Michel die Krise der Gegenwart in historischer Perspektive – und beleuchtet die beängstigende Szenerie mit einem religiösen Hoffnungsschimmer voll freudiger Zuversicht: „Unsere Generationen haben noch keine vergleichbare Situation erlebt. Auch wenn sie mit den Schrecken der vergangenen Jahrhunderte letztlich nicht vergleichbar ist, finden wir uns doch plötzlich in alten Texten wieder, die aus Kriegs- und Seuchenzeiten stammen: ‚Der ewigreiche Gott wollt uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben‘“.

                                                                                                                                                                                      Dr. Anna Schürmer

Johannes Matthias Michel

Johannes Matthias Michel wurde 1962 geboren und studierte Klavier in Basel, Kirchenmusik in Heidelberg und abschließend Orgel bis zum Solistenexamen in Stuttgart. 1988 wurde er Bezirkskantor in Eberbach am Neckar, 1999 Landeskantor und 2021 stellvertretender Landeskirchenmusikdirektor mit Sitz an der Christuskirche Mannheim. Als Honorarprofessor unterrichtet er seit 1989 an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg und der staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim. Michel verfasste eine Orgelschule, zahlreiche Chorbücher und veröffentlichte hunderte von Kompositionen in nahezu allen Gattungen. Auf der Orgel und dem Kunstharmonium hat er neben Rundfunk- und Fernsehaufzeichnungen über 20 CD-Einspielungen veröffentlicht.